Mutti

Veröffentlicht: 3. Februar 2015 in Allgemein

Mein Mann hat mir immer gesagt, dass das nicht gut gehen wird mit der Mutti.

„Wie stellst du dir das denn vor, einfach daheimbleiben? Ich mein, du hast einen super Job, die Kinder sind aus dem Haus und die Müllers rechnen damit, dass wir mit ihnen auf die Malediven fliegen. Wolltest du ja immer!“

Er versteht die Sprache des Geldes zu gut. Nach zwei Wochen hab ich ihn endlich überredet. War sehr lieb zu ihm die ganze Zeit. Wusste nicht, was er nach 25 Jahren unter Liebe versteht. Und dass er käuflich ist.

Mutti wohnt jetzt in Walters Hobbyraum. Seine Hobelbank haben wir in die Garage geschafft, nette Blümchenstores vor die Fenster gehängt und ein Pflegebett beantragt. Geht alles ganz gut eigentlich, sie schläft ja den ganzen Tag, weil sie unter einer Tag-Nacht-Umkehr leidet. Das haben die meisten Dementen. Ab 22 Uhr ist sie wach. Dann kramt sie in den Dingen, die sie nicht mehr benennen kann. Nähkästchen, alte Fotoalben.

Die Psyche, das einzige Möbelstück, das wir übernommen haben aus ihrer Wohnung, ist vollgestopft mit abgelaufenen Kosmetikartikeln und ranzigen Niveadosen. Mit 50war sie immer die Schönste in der ganzen Siedlung. Weiche Hände konnte sie vorweisen und nicht einmal am Ellbogen eine rauhe Stelle, vom übrigen Körper ganz zu schweigen. Einmal wollte ich all den überfälligen, fettigen Kram wegwerfen, aber sie ertappte mich und „Lass meine Dinge in Ruh! Ich brauch das…..das zum…für die Finger….“sagte sie, verzweifelnd, aber bestimmt mit einem Augenleuchten von früher.

Walter sieht das viel pragmatischer. Wenn ich mit Mutti im Garten sitze, entsorgt er.

Wirft ihre handgeschriebenen Kochrezepte weg und die Zettelwirtschaft am Nachtkästchen. „Wie das hier aussieht! Braucht doch kein Mensch mehr, eine Anleitung zum Ribiselentsaften!“ In der Nacht dann das grosse Theater, weil Mutti wieder sucht und nicht weiss, was sie vergessen hat und was wirklich nicht mehr da ist.

Ich hab mir das auch anders vorgestellt.

Von der Liebe ist nicht mehr viel übrig, denke ich mir, als ich zum dritten Mal aufstehen muss, weil sie schon wieder nach mir ruft : „Susi! Susi! Jemand hat meine ganzen Bücher gestohlen!“  und wie schnell das geht, dass man die eigene Mutter nicht mehr mit Tochteraugen sieht.

Walter versteht auch nicht, warum ich ihn gerade jetzt von mir herunterstosse und dass es wohl nicht sein kann, dass ich mitten in Ausübung meiner ehelichen Pflichten zu Mutti laufe.

„Wieso hast du denn Stöckelschuhe an?“, fragt sie mich. „Es ist ja mitten in der Nacht! Die hab ich auch immer gerne getragen, weisst du noch, damals, als ich am Garnisonsball mit dem…dem…deinem Vater…..“. Sie stockt.

Ich bin froh, von der Stöckelschuhnummer erlöst zu sein und nehm sie in den Arm. Ich weiss nicht, was das kleinere Übel ist, denke ich an ihrer Schulter. Streichle sie pflichtbewusst, so wie ich es mit meinem Mann tue. Küsse sie auf die Wange, die immer noch glatt ist. „Geh schlafen, Mama!“

Walter wartet schon auf mich. Ich bin eine gute Tochter.

Traum

Veröffentlicht: 20. Januar 2015 in Allgemein

Gestern war alles wie immer.  Wenn ich sage, wie immer, heisst das nur, dass nichts Aussergewöhnliches geschehen ist. Ich hatte genug Tabletten, die mich über den Tag retteten, der nicht schlecht, aber auch nicht gut war. Die guten Tage sind in meiner Erinnerung fast nicht mehr vorhanden. Hin und wieder drehe ich den Fernseher auf und sehe mir an, was die Anderen unter „gut“ verstehen. Ein schönes Haus und ein teures Auto, zum Beispiel und Kinder, die studieren und die Eltern stolz machen. Ich habe nichts dergleichen und finde auch die blossen Gedanken daran nicht befriedigend. Was mich glücklich machte, war immer draussen zu finden:  eine sonnige Stunde am Strand, Wind, der mir im Herbst um die Ohren pfiff und sogar Regen. Stundenlang konnte ich  Rinnsale betrachten und wünschte mir dabei, so klein zu sein, dass ich mit all den verwelkten Blättern mitgeschwemmt werden würde auf einem Nussschalenboot.

Das ist lange her.

Heute macht sich meine Betreuerin Sorgen, weil ich nichts esse. Sie sagt, wenn das so weitergeht mit mir, sieht sie schwarz. Ich muss lachen und sage ihr, dass sie endlich ihre rosarote Brille abnehmen soll. Ich möchte, dass sie mich sieht, wie ich bin. Damit kann sie  nicht umgehen.

„Jeder Mensch ist heilbar!“ ist ihre Maxime und ich lasse sie in dem Glauben, weil es ihr Berufsethos verlangt und mir egal ist. Sie schleppt mich zu allen möglichen Therapeuten, die beflissen meine Krankengeschichte studieren und mich auseinandernehmen wollen. Meistens erzähle ich erfundene Geschichten aus meiner Kindheit und dann sind alle zufrieden, weil sie wieder was in meine Akte schreiben können. Ich lüge, wenn ich den Mund aufmache. Niemand hinterfragt. Sie fressen die Worte wie hungrige Hunde, die nach einem fetten Stück Fleisch schnappen.

Ich bin einsam und wünsche mir nie jemanden. Mein Bett ist gross genug für mich und am liebsten spreche ich mit mir, weil ich keine Angst vor den Antworten haben muss. Das Neonlicht an der Decke blende ich aus. In letzter Zeit habe ich öfters bemerkt, dass mein Polster in der Früh nass war.

Seit einigen Tagen habe ich Alpträume. Es ist immer der Gleiche. Ein Arzt kommt und erklärt mir, dass die Hirnwindungen in meinem Kopf gereingt werden müssen. „Wir machen einfach eine Kürettage. Da hat sich soviel Dreck angesammelt, das muss einmal alles raus.“

Er sieht gut aus, dieser spitzbärtige Doktor und raucht sich eine an. Jedesmal vor dem endgültigen Eingriff erwache ich und bin enttäuscht, weil mein Kopf noch immer denkt. Ich wünsche mir, solange zu schlafen, bis sie mich operiert haben.

Bei der Visite erzähle ich das erstemal, was wahr ist. Schulterzucken und grosse Augen in den Weissmäntelköpfen. Sie sehen sich wissend an und glauben, dass ich das nicht merke. Ab morgen wird meine Dosis erhöht.

 

 

 

 

 

 

 

Luisa

Veröffentlicht: 29. September 2014 in Allgemein

Ich erzähle von Luisa.

Heute sah ich sie, als ich von der Regionalbahn ausstieg, am gegenüberliegenden Bahnsteig stehen. Wie immer trug sie ihre Habseligkeiten in einem schäbigen grünen Rucksack mit sich. Ich wollte  rasch, mit gesenktem Blick, weitergehen-sie erkannte mich sofort und rannte die Unterführung hinunter und hinauf, um mich zu erwischen-zu STELLEN, kam mir in den Sinn. Sofort ergriff sie mich am Arm, sie hielt mich sehr fest, es war mir unangenehm, weil wir durch diese Geste unweigerlich verbunden waren.

„Alles, was ich besitze, ist hier drinnen, man könnte sagen, dass ich mich eine Scnecke fühle, ja, wie eine Schnecke. Der Rucksack ist mein Kissen, mein Schrank, mein Dach, mein Haus– mein Schneckenhaus. Kaufst du mir ein Bier?“

Sie liess mich los und bückte sich, um einen Zigarettenstummel aufzuheben, der plattgetreten neben einem halbgefüllten Limonaden-und Süssigkeitenautomaten lag.

„Ich mag kein Cola. Schokolade auch nicht, das ist schlecht, weil ich es mir nicht leisten kann. Zigaretten mag ich!“ Sie drückte sich den Stummel ein bisschen zurecht, um ihn rauchen zu können.

„Hast du einen Mann? Du siehst nicht gut aus, wenn du aus dem Zug steigst. So nervös und gestresst.Hättest mich fast nicht gesehen. Ist er lieb zu dir? Ich hab keinen Mann. Kinder auch nicht. Haben keinen Platz in meinem Rucksack.“

Sie lachte kehlig.

Ich betrachtete sie. Ihre gelblich verfärbten Nikotinfinger mit den bis zum Fleisch abgebissenen Nägeln zitterten, ihr Gesicht war blass und erzählte aus ihrem Leben. Es war keine schöne Geschichte.

Ich habe Luisa vor einem Jahr kennengelernt. Sie lebte am Bahnhof und ich kaufte ihr Zigaretten und Bier, weil ich einen guten Tag hatte. Seitdem scheint sie auf mich zu warten, kennt meine Ankunftszeiten und ist immer zur Stelle, wenn ich ankomme. Sie fragt mich jedesmal das Selbe, weil sie ohne zu vergessen nicht überleben könnte. Ich kaufe ihr jedesmal Zigaretten und Bier.

„Bald kommt der Winter. Ich hab einen tollen Platz entdeckt, komm, ich zeig dir meine Datscha.“

Ich wunderte mich nicht, dass Luisa weiss, was eine Datscha ist. Sie hat in einem anderen Leben russisch gelernt.

Wir gingen in die Ankunftshalle, steuerten nach links, wo früher das Bahnhofsrestaurant war. Jetzt gibt es dort ein russisches Lokal, und zwischen Lieferantenrampe und Toiletten befindet sich ein kleiner, ungenutzter Raum, nach draussen offen, sodass man die Strassenbahnen sieht, Beton überall, aber windgeschützt.

„Ich hab  den Besitzer gefragt. Jetzt brauch ich nur noch eine Decke. Mein Rucksack ist mein Kissen, mein Schrank, mein Dach, mein Haus-mein Schneckenhaus. Kaufst du mir ein Bier?“

Brigitte

Veröffentlicht: 16. September 2014 in Allgemein

Brigitte war meine Sitznachbarin in der Hauptschule. Sie hatte pechschwarzes Haar und eine sehr blasse Haut. Ich hab nie viel mit ihr gesprochen, weil sie nicht lustig war. Sie sass immer ernst auf ihrem Sessel, las kein BRAVO in der Religionsstunde und katte keine Freunde. Die Pausen verbrachte sie allein, ein Stückchen weiter weg als wir anderen, und als die Pubertät begann, bekam sie plötzlich einen sehr grossen Busen und viele Pickel im Gesicht. Meistens trug sie die Schnürlsamthosen ihrer älteren Schwestern auf.

Sie wurde bald zur Zielscheibe des Gespötts. Vor allem die Burschen liessen sich es nicht nehmen, anzügliche Bemerkungen vom Stapel zu lassen, aber sie wehrte sich nie. Sie wurde bloss stiller.

Als sie 14 wurde, erschien sie mit neuen Jeans und roten Schuhen mit Korkabsatz. Sie war  beim Friseur gewesen und trug von nun an  Minipli. Die Locken schienen ihr schmales Gesicht zu erdrücken, es war, als würde sie einen Helm tragen. Ausserdem hatte sie damit begonnen, sich zu schminken, umrandete ihre blauen Augen mit kohlschwarzem Kajal und Lidschatten und puderte ihr Gesicht. Sie sprach plötzlich sehr erwachsen, war aber immer noch nicht lustig.

Eines Tages bemerkten wir ein kleines Bäuchlein unter ihrem Shirt.

Nach 3 Wochen hiess es, Brigitte dürfe nicht mehr am Turnunterricht teilnehmen.

Sie war schwanger. Ich traute mich und fragte: „Was sagt denn dein Vater dazu? Also, meiner würde ja….“. Weiter kam ich nicht. Brigitte rannte davon und liess mich am Pausenhof stehen.

Niemand wusste, wer der Vater war. Niemand traute sich zu fragen. Die Schwangerschaft machte sie zu einer personana non grata, grenzte sie noch weiter aus und verwirrte unsere 14jährigen Köpfe dermassen, dass sie bald darauf die Schule wechseln musste. Besorgte  Eltern haben rechtzeitig dafür gesorgt. In den frühen 80ern hat es das nicht geben dürfen, dass ein mannstoller Teenie die pubertierenden Kinder kirre macht.

Brigitte war ein Jahr später in der Kleinen Zeitung.

„Interview mit einer Kindsmutter“, war die Überschrift und ich erinnere mich an einen einzigen Satz, der mir schon damals unter die Haut ging.

Sie wurde gefragt, ob sie nicht bereue, so früh Mutter geworden zu sein.

„Ach nein“, sagte sie, „ich bin eh nie so gern ausgegangen.“

Da war sie 15 und mir hat es den Magen umgedreht.

Seit damals hab ich nie mehr an sie gedacht.

Vor drei Tagen war sie wieder in der Kleinen Zeitung.

Es gab keinen Partezettel, aber ich las ihren Namen unter: Todesfälle-Brigitte M, 47 Jahre, Lichendorf.

Ich musste sicher gehen und rief eine ehemalige Schulkollegin an.

„Ja, die Brigitte! Na sicher ist es DIE! Gesoffen hat sie eh schon seit Jahren. Und wie dann die Geschichte mit ihrer Tochter war…“

„Was war denn?“, wollte ich wissen.

„Na ja, die hat halt erzählt, dass ihr der Opa an die Wäsch´….weisst eh, wie das ist mit den jungen Dirndln..die wollen sich ja alle nur wichtig machen. Das hat sie halt nicht gepackt, die ganzen Lügen und so. Es waren eh  nur ein paar Leut beim Begräbnis. Aber sag, wie gehts denn dir so in Graz? Hat einmal Zeit für einen Kaffee?“

 

 

 

 

 

 

 

 

das kleine Glück

Veröffentlicht: 3. Juni 2014 in Allgemein

Sie sieht aus wie eine guterhaltene 35jährige. Die makellose Figur wird mit wöchentlichen Obst-oder Reistagen in Form gehalten und wenn sie am Nachmittag die beiden Mädchen vom Tischtennis, Ballett-oder Geigenkurs abholt, drehen sich die karenzierten Väter nach ihr um.

Gestern ist sie 44 geworden und weiss Gott, es macht immer mehr Mühe, wie eine glückliche Frau auszusehen.

Vor 3 Jahren sind sie endlich in jenes weissgetünchte Reihenhaus am Rande der Stadt gezogen, wo man zwar die Autobahn vor der Nase hat, aber einen eigenen Flecken Grün, 70qm Garten müssen reichen für das kleine Glück.

Der Mann tut trotzdem , als gehörte ihnen plötzlich die halbe Nachbarschaft. Er stellt ein Trampolin auf, dieses sagenhaft unansehnliche Hüpfungetüm, im Sommer wird ein Plastikpool danebengezwängt, weil die Kinder mit und in der Natur aufwachsen sollen.  Ausserdem haben das alle.

Jeden 2. Tag fährt sie mit dem Staubsauger über den Bangkirai-Boden der Terrasse, flucht über Ameisen und Bienen und alles, was da kreucht und fleucht.  Am schlimmsten sind die Blätter. Überall in der Strasse gibt es Birken, der Nachbar hat eine Föhre im Garten stehen, die Nadeln und Zapfen halten sich  nicht an die Grundstücksgrenze und es ist sehr eng in einer Reihenhaussiedlung.

Wenn es eine Unterschriftensammlung gäbe, gegen die Bäume, sie würde sie sofort unterschreiben.

Ansonsten ist aller sehr sauber, fast klinisch rein, bei ihr. Drinnen werden die Schuhe ausgezogen, die Kinder haben eigene, wasser-und schmutzabweisende, Draussen-spiel-Anzüge und dürfen das Haus nur über den Keller betreten, wenn es regnet.  Ein Desinfektionsmittelspender im Bad und einer auf der Toilette– man weiss ja  nie, was die Mädchen von der Schule nach Hause bringen, jetzt, da die Migration auch vor dem Ländlichen nicht mehr halt macht.

Am Wochenende wird gegrillt, weil man den Freunden zeigen möchte, wie schön es sich am Land wohnt. Der Mann wendet mit nacktem Oberkörper bereits vormarinierte Hofer-Steaks, während sie mit billigen spanischen Erdbeeren eine Bowle fabriziert. Sparen muss man trotz allem.

Später, wenn sie satt und erschöpft in den neuen Terrassenmöbeln sitzt, wird sie mehr trinken, als ihr guttut. Dann fällt die zufriedene Fassade von ihr ab wie ein schwerer Stein, sie wird ihren Mann von der Seite betrachten und unterschwellige Sticheleien vom Stapel lassen. Alle lachen, – liebevolle Neckereien- selbst er will es nicht besser wissen. Die heile Welt will aufrechterhalten werden und der 200.000 Euro-Kredit abbezahlt.

Auf Gedeih und Verderb zusammen, denkt sie und jetzt sitze ich hier zwischen leeren Tellern, quengelnden Kindern und welken Blättern. Überall diese Blätter, dieser Dreck von den Sträuchern und der scheiss Löwenzahn. Loewenzahn-3-gr

Du hast halt den Falschen geheiratet, sagt ihre Mutter, aber du kannst froh sein, in deinem Alter noch einen abbekommen zu haben, der gut verdient.

Das jüngere Kind muss zu Bett gebracht werden. Sie zieht ihm die schmutzigen Kleider aus und gibt sie sofort in die Waschmaschine. Ihr Kopf schmerzt, weil sie zuviel Akohol und Bürgerlichkeit konsumiert hat.

Morgen wird sie einen Fasttag einlegen. Die kleinen Speckröllchen wird sie mit Zumbatrainig  wieder aufpolstern können. Ansonsten bleibt alles wie immer.

 

 

 

 

 

 

Chanel Nr. 5

Veröffentlicht: 26. Februar 2014 in Allgemein

Im Nachtdienst lese ich meistens Immobilien- Anzeigen. Ich wünsche mir eine Villa am Rosenberg oder ein Designer -Penthouse mit Blick über Graz. Mein marathonlaufender Ehemann, der nebenbei ein erfolgreicher Banker ist, verdient soviel Kohle, dass er monatlich meine ausufernde Manolo-Blahnik-Sammlung füttern und mich in der hauseigenen Sauna bis zur Besinnungslosigkeit befriedigen kann. Wir sind seit 20 Jahren verheiratet. Geld macht sexy und mein Unterleib riecht nach Chanel Nr.5.ch Weil wir keine Kinder haben, reisen wir nicht bloss an den Familienstrand nach Bibione, sondern gönnen uns immer wieder kurze Auszeiten in sündhaft teuren Thermenlandschaften. Die Nacht für 180 Euro und am Abend ein Buffet mit Weizlammkrone oder Braten vom Turopolje-Schweín. Die Paare an den Nebentischen haben ein mindestens so schönes Leben. Sie nippen verliebt an ihren Digestifs und faltenlose Frauen tanzen ohne das geringste Anzeichen von Ermüdung in die Mitternacht….

„Du“, ruft mein Kollege, „komm schnell. Zimmer 42 hat sich schon wieder die Windel weggefetzt. Alles ist voll!“

Ich verlasse die Therme und renne den Gang entlang. Zimmer 42 hatte  einmal einen Namen. Sie selbst weiss ihn nicht mehr und ruft nach ihrer Mutter. Mit weitaufgerissenen Augen steht sie neben dem Bett und weint. Ich lege meinen Arm um sie. Will sie beruhigen. Ihr Gesicht ist ein Schrei, weil sie nur noch im Gestern sein kann und das Heute weit ausserhalb ihrer Wahrnehmung liegt.

„Wohnen Sie auch da?“, fragt sie mit zitternden Lippen.

„Ja,“ sage ich und bringe sie behutsam dazu, sich wieder hinzulegen.

„Morgen kommt Ihre Mutter.Aber jetzt müssen Sie ins Bett gehen-es ist schon spät.“

Die Frau lächelt. Endlich. „Meine Mutter? Morgen? Ich danke Ihnen!“

Später bin ich wieder bei willhaben. Mein Kollege steht in der Tür:“ Wenn du fertig bist, lass mich mal schauen!“

„Was suchst du denn?“, frage ich ihn.

„Kaninchen.“

„Kaninchen? Wusste gar nicht, dass du die magst!“

„Eh nicht“, sagter, „aber meine 2 Katzen haben gerne Frischfleisch.“

Butterbrot

Veröffentlicht: 21. Februar 2014 in Allgemein

Es sind nur Kleinigkeiten-die Art, wie er mich anschaut, wenn ich seine Butterbrote schmiere, zum Beispiel. Ich weiss dann nie, ob ich das Messer richtig halte, obwohl mein Leben aus 100fachen Brotbeschmierereien besteht, bin ich unsicher, ich zögere immer, weil ich entweder zuviel oder zuwenig Butter erwische-ob das Messer ein regelrechtes Buttermesser oder bloss ein Tafelmesser ist-ob die Scheibe Brot seinen Vorstellungen entspricht, denn, weisst du , mein Liebchen: „Brot ist das Wichtigste!“ Einmal war da eine dicke schwarze Scheibe, voll Korn und Bio-schon im Moment des Kaufens erfreute ich mich an seiner Vierschrötigkeit. Ich malte mir seine Zufriedenheit aus und die Hoffnung auf einen friedvollen Abend bewog mich dazu, Tulpen und Narzissen einzukaufen.
Mit einer einzigen Handbewegung wischte er sie vom Tisch. Das Vollkornbrot, schön und braun, landete in meinem Gesicht.

Seitdem bin ich klüger. Ich schmiere Butter auf das Brot, das er nach Hause bringt. Meistens ist es eingeschweisst und schon in Scheiben geschnitten.Mir schmeckt es nicht, aber, um ehrlich zu sein, esse ich nichts, wenn wir gemeinsam am Tisch sitzen. Es sieht aus wie ein feister Pfaffe. Sein Bauch hat wenig Platz unter der Tischkante und wenn er vom Brot abbeisst, verirren sich manchmal fettgetränkte Brösel in seinen Bart, wo sie hängen bleiben.

„Liebst du mich?“. fragt er betrunken und ich würge meinen Ekel dorthin, wo meine Alpträume wohnen.Sie kommen nur, wenn ich sie heraufbeschwöre-an guten Tagen reicht eine Flasche Wein. Wenn ich mies drauf bin, muss ich Friedhöfe besuchen. Dort fällt es mir immer leicht, mich schnell möglichst schlecht zu fühlen. Mein Lieblingsfriedhof beinhaltet furchtbar traurige Lebensereignisse vom ersten Weltkrieg. Dort sind Grabsteine mit jungen Männern und Müttern, die das Kindbettfieber nicht überlebt haben. Ich frage mich ausserdem, wie hysterisch ich geworden wäre, wenn mein Baby im Alter von 4 Monaten gestorben wäre.

Cut: Sein Blick will mir weh tun.. Er steht am Küchentisch und greift mit dem rechten Zeigefinger in die Butterdose.
„Die Butter ist viel zu hart“, sagt er. Ich kraule seinen Bröselbart und schmiere ein neues Brot.
Der Friedhof ist weit weg.

der herzkirschenbaum

Veröffentlicht: 27. August 2013 in Allgemein

herz

Der Herzkirschenbaum steht am höchsten Punkt des Kogels. Die Rebzeilen, die nach unten zur slowenischen Grenze führen, sind so steil, dass man sie mit keinem Traktor befahren kann. Es ist die beste Lage, sie ist den ganzen Tag der vollen Sonne ausgesetzt. Wer hier Reben schneidet, ausklaubt oder mähen muss, ist nicht zu beneiden.

Gelber Muskateller auf verwittertem Muschelkalk. Zärtlich leuchtet er im Glas, wie ein heller Nachmittag Anfang September.

Der alte Joscha springt noch immer zwischen den Zeilen herum wie ein Junger. Sein Gesicht ist gegerbt vom Wetter, an heißen Tagen zieht er sein Hemd aus und bindet sich ein Baumwolltuch auf den Kopf, fein säuberlich verknüpft, dass ihm der Schweiß nicht in die Augen rinnt. Immer hat er einen 5l-Tonkrug mit gewässertem Most dabei, den er von Zeile zu Zeile mitträgt und in den Schatten stellt. Wasser bekommt ihm nicht. Wenn er lacht, zeigt er oben drei und unten zwei Zähne. Sonst fehlt ihm nichts.

In der Mitte des Weingartens, direkt am Traktorweg, befindet sich der Russenbrunnen. Als man noch händisch spritzte, rührte man in einem Betonbottich Kupfervitriol und Wasser zu einer stinkenden Brühe und ging mit langen Schläuchen durch die Zeilen, um die Peronospora zu bekämpfen. Die Kinder mussten Schlauch-Ziehen, am Abend hatten sie Blasen in den Handflächen. Heute weiß niemand mehr, wie der Russenbrunnen zu seinem Namen kam. Er ist 27 Meter tief. Der neue Besitzer hat Pumpe und Schwengel silbern lackiert.

Wenn man weiter geht, landet man auf dem Neutralen Weg. Als Slowenien noch nicht bei der EU war, gingen die Saisonarbeiter über die Grüne Grenze, ohne kontrolliert zu werden. Als Kind wurde ich ermahnt, nie alleine dort spazieren zu gehen. Die Granitscharen, hieß es, lauern überall. Trotzdem hat mein Vater in den 70er Jahren Kaffeebohnen für Frau Glavic geschmuggelt.

Kinder wühlen im umgegrabenen Boden. Wenn neue Rebstöcke gepflanzt werden, ist die Erde ein offener Mund, der versteinerte Muscheln und Seesterne ausspuckt. Es gibt Gesteinsbrocken, die mit einer riesigen Perlmuttschicht überzogen sind. Grün und blau schillert es in meinen Augen.

Jetzt kann ich die Häuser drüben sehen. Es sind kleine Keuschen, bei den meisten blättert der Putz ab. Rot leuchten die Ziegel zu mir. Kinder rennen herum und werden von kopftuchtragenden Großmüttern beaufsichtigt. Die Eltern arbeiten in Maribor. Jedes Haus hat einen üppigen Gemüsegarten und eine SAT-Schüssel. Vor der Tür steht vielleicht ein Citroen. Kettenhunde gibt es keine mehr.

Der beste Wein schmeckt wie Sauerwasser, wenn man ihn alleine trinkt.

Ich drehe um. Das Presshaus ist das imposanteste Gebäude. Eine Steintreppe mit acht Stufen führt zum Eingang. Wenn man die Tür aufmacht, fällt der Blick als erstes auf den riesigen Pressstein. Beinah freistehend in der Mitte des Raums, mit hölzernen Drehstangen, die man stundenlang im Kreis bewegen musste, bis der Traubensaft herausgepresst war . Wenn die Maische endlich im Presskorb lag, war man so aufgedreht, dass an Müdigkeit nicht zu denken war. Es gab fetten Bauchspeck und Wein, jemand holte die Ziehharmonika. Später wurde getanzt. Schweiß und Zigarettenrauch vermischten sich mit dem Duft des frischgepressten Traubensaftes. Als ich das erste Mal dabei sein durfte, war ich stolz und glücklich. Immer soll es so sein, dachte ich.

Wenn Besuch kommt, werden Gutedel und Isabella in einer gläsernen Schüssel gereicht, die die Form einer überdimensionalen Traube hat. Dazu isst man milchig-weiße junge Walnüsse, deren Silberhaut noch mild schmeckt. Am Abend fliegen Fasane auf. Der letzte Sturm wird aus dem Keller geholt. Es ist, als würde man Erinnerungen trinken.

Das Wohnhaus schmiegt sich an den Hügel. So, als würde es nirgends sonst hingehören. Es hat vor 100 Jahren seinen Platz gefunden und alles, was rundherum passiert, ist ihm gleichgültig. Noch immer hat es die gleichen Schindeln, noch immer stehen Nussbäume wie stramme Soldaten, die jedes Unheil abzuwenden scheinen. Es gibt zwei Hunde dort. Sie werfen sich wütend an den Zaun, sobald ein Fremder vorbei geht.

„Geh,“ sagte mein Vater spätnachts. Es war dunkel und ich fürchtete mich. Er hatte unseren Schäferhund an der Leine.
„Geh zum Kogel. Der Hund wird dich finden!“

Er spürte mein Zaudern.
„Du musst keine Angst haben. Die Reben tun dir nichts. Vor den Leuten musst du Angst haben!“
Ich ging. Der Hund fand mich sofort.

Ich gehe zurück zum Herzkirschenbaum und versuche ein letztes Mal, ihn zu erklimmen. Es geht nicht mehr, sie haben ihn zurechtgestutzt und die untersten Äste entfernt.

Mein Blick schweift über die slowenischen Berge, sie machen sich fertig für die Nacht und verschwinden im Blau, je weiter man schaut.

Ich stehe auf einem Hügel und sehne mich nach dem nächsten.

zum dessert

Veröffentlicht: 27. August 2013 in Allgemein

Dass er bei uns auftauchte, hatte einen banalen Grund: er hatte sich verfahren.
Er parkte seinen Wagen neben dem Gemüsegarten und fragte nach dem Weg zu einer Buschenschank.
Der Wein stand in voller Blüte, ein beunruhigend intensiver Hauch lag in der Luft.
„Diesem Geruch fahre ich schon lange hinterher – jemand hat mir den Edenberg empfohlen, ich muss die falsche Straße genommen haben!“

„Essen Sie mit uns“, sagte Jakob, „meine Frau macht das beste Backhendl weit und breit“. Er grinste.
Der Mann stellte sich als Arthur vor. Die beiden verschwanden im Weinkeller.
Ich deckte den Tisch unterm Nussbaum – der Himmel war wolkenlos.
Wie ich das hasste: Jakobs joviale Art, sein Bestreben, mit jedermann gut Freund sein zu wollen und ständig Fremde an unseren Tisch zu bitten.
Während ich das Essen bereitete, hörte ich Gesprächsfetzen und Lachen, sie kamen mit zwei Flaschen Weißwein zurück.
„Euer Weinkeller ist phänomenal.“
Arthur lächelte mich an.
„Und Euer Morillon – ich kann mich gar nicht erinnern, wann ich das letzte Mal einen so guten Tropfen getrunken habe.“
Ich spürte, dass Jakob mich von der Seite ansah.
„Ja, der ist gut“, murmelte ich.

Wir aßen.
Die Männer gingen nach der ersten Flasche zum Du über. Arthur lobte meine Kochkünste, er nagte mit Hingabe an einem Hühnerbein. Auf einmal ließ er den Knochen fallen, wischte sich die Hände ab und beugte sich zu mir:“Warum trinkst du eigentlich nur Wasser? Das ist ja gerade so, als würde ein Tiroler nicht Schi fahren!“ Er lachte über seinen eigenen Witz.
Ich fing Jakobs Blick auf.
„Für mich ist es noch zu früh“, antwortete ich. „Es ist erst Mittag.“

Nachher trug ich die Teller in die Küche. Jakob stand auf einmal vor mir. Ein unbestimmter Ausdruck lag auf seinem Gesicht, als er eine weitere Flasche aus dem Kühlschrank nahm.
„Du weißt, was wir ausgemacht haben“, sein Gesicht kam näher, er atmete Wein aus. Der Ekel in mir stieg. Ich wollte an ihm vor vorbei, er packte mich um die Mitte und zwang mich, ihn anzusehen.
„Diesmal nicht, verstanden?“

Arthur stand plötzlich in der Tür. Jakob ließ mich los und machte sich an der Flasche zu schaffen.
„Alles in Ordnung? Ich meine, wenn ich Euch störe…immerhin bin ich bei Euch rein geplatzt…“

„Nichts da!“
Ich schnitt ihm das Wort ab.
„Sie werden doch nicht das Dessert verschmähen wollen?“
Ich nahm drei Gläser aus der Kredenz. „Dazu müssen wir aber eine Trockenbeerenauslese trinken. Arthur – jetzt zeig ich Ihnen den Keller!“
Jakob runzelte die Stirn. Er wollte etwas sagen.
„Und außerdem,“fügte ich hinzu “ das SIE können wir jetzt auch weglassen!“

Wir betraten das Gewölbe des Weinkellers.Auf den feuchten Wänden hatte sich Moos breit gemacht. Es roch nach Schwefel .
„Pass auf, dass du nicht auf eine Erdkröte trittst, die fühlen sich wohl hier unten.“

Wir setzten uns an den großen Tisch in der Mitte des Raums.
„Im Herbst gingen die Leute früher mit einer brennenden Kerze in den Keller. Die Gärung verbraucht viel Sauerstoff – wenn die Kerze ausging, musste man sofort hinaus gehen…möchtest Du probieren?“

Ich nahm einen Weinheber und goss zwei Gläser voll.
„Das ist ein Muskat-Sylvaner vom vorigen Jahr, lass ihm ein bisschen Luft beim Trinken. „Arthur roch mit geschlossenen Augen am Glas, schwenkte es ein paar Mal, nahm einen Schluck und ließ ihn im Mund hin und her rollen.
„Schmeckt nach Apfel, und Stachelbeeren. Du bist die erste, die nicht Sauvignon blanc zu ihm sagt.“

„Ich mag die ursprünglichen Namen. Diese Wichtigtuer, die Chardonnay sagen und nicht wissen, dass ein Morillon dahinter steckt, gehen mir auf die Nerven!“

Ich trank schnell und spürte bald, wie mein Gesicht heiß wurde. Flush nennt man das, wenn die Blutgefäße sich erweitern und die Wangen rot färben. In meinem Bauch war es warm.
Arthur bat mich um einen Trinkspruch.
Ich erzählte ihm vom Gästebuch meiner Vorfahren, darin hatte sich am 8.Mai 1884 ein gewisser Franz Gartner mit folgendem Spruch verewigt:
„Dass des Bussln an Bart macht,
des is ja net wahr,
sonst hätt ja mei Dirndl
des Gsicht voller Haar.“

Arthur lachte und wollte Riesling probieren.
Er war nicht mehr ganz sicher auf den Beinen, nahm mein Glas und schenkte ein.
Unsere Hände verfehlten sich. Der Wein ergoss sich zwischen zwei Fässer.
„Sorry“, er bückte sich, um die Scherben aufzuheben,
Sein Kopf war an meinem Bein. Ich stand reglos. Meine Hände zitterten.
Als ich mich auf den Boden hockte, drehte er seinen Kopf zu mir und ich küsste ihn auf den Mund.

Später lagen wir erschöpft auf dem kalten Boden.
„Jakob…“, sagte er.
Ich zog mein Kleid zurecht. Er stand benommen auf.

„Jakob? Ach ja, der Dessertwein. Beeil dich bitte.“

Nichts Schlimmes

Veröffentlicht: 25. Juli 2012 in Allgemein

Er hat gerade angerufen. Er hat angerufen, als ich vor dem Badezimmerspiegel stand, um mich für heute Abend hübsch zu machen. Dass er keine Zeit hätte, weil irgendeine Kundin plötzlich blablabla….ich kenne das Spiel und obwohl es mich ankotzt, spiele ich mit. Warte auf SMS, E-mails, Chat-Nachrichten.

Was ich heute gegessen habe, wollte er noch wissen. Ich lüge und erzähle von einem Teller Rohkost, 2 Äpfeln und einem Löffel Weizenkleie. Ich lüge, weil er mich versetzt und weil ich mich schäme, dass ich mir, ausgehungert wie immer, 5 deka Rinderschinken beim Billa gekauft habe, den ich noch am Parkplatz hinunter geschlungen habe.

Ich stehe nackt vorm Spiegel und bemerke eine bis dato unbekannte, ca. 4x4cm grosse Bindegewebsschwäche am rechten Oberschenkel. Das wird wieder ein Theater geben beim nächsten Beischlaf. Wenn ich es geschickt anstelle, und den Raum indirekt beleuchte, wird er es vielleicht nicht sehen. Trotzdem kann ich mir seine vorwurfsvollen Blicke vorstellen, er wird meinen handschriftlich verfassten Speiseplan der vergangenen Tage studieren und mit gerunzelter Stirn „Böses Mädchen!“ murmeln.

Ich mache sofort mein tägliches „Bauch-Beine-Po“ Programm, eine Viertelstunde länger als üblich. Die Cellulitis wird davon nicht weggehen, aber ich kann ihn unter Umständen sanftmütig stimmen, wenn er sich das Video meines Work-outs ansieht.  Erst danach wird es Sex geben.

Ich protokolliere akribisch alles, was ich tun muss. Er braucht schließlich Beweise, sagt er, denn er hatte schon mal Eine, die ihm unverblümt ins Gesicht log.

Jede Woche lege ich ihm mein gesamtes Leben auf den Schreibtisch. Bis jetzt gab es erst 3x eine Bestrafung, aber wir sind auch erst 2 Monate ein Paar. Ich liebe ihn.

Ich bin lernfähig. In der ersten Woche hab ich mir erlaubt, eine Leberkässemmel am Hauptplatz zu essen, ich war mit einer Freundin shoppen und der Tag war so schön. Wir alberten herum, tranken Prosecco und wie´s der Teufel haben will, landeten wir an diesem Marktstand. Es duftete zu verführerisch.

Bis er am Abend zu mir kam. Ich war sehr aufgeräumt vom Alkohol und lachte, als er meine Aufzeichnungen las. Am nächsten Morgen musste ich meine Chefin anrufen: ich war spätnachts im Dunkeln gegen einen Schrank gerannt war und hatte eine Rissquetschwunde auf der Stirn. Nichts Schlimmes.

Ich finde es gut, wie sehr er auf meinen Körper achtet. Ich selber bin viel zu lasch, undiszipliniert. Mein Körper ist mein Kapital, das hat er mir beigebracht und ich bitte ihn deshalb, Rücksicht zu nehmen. Mittlerweile bestraft er mich mit Liebesentzug. Das hinterlässt keine äusserlichen Spuren und beweist mir, wie sehr er mich liebt. Meistens bin ich glücklich.

Heute bin selbst ich ein wenig beleidigt. Ich kenne aber keine Beziehung, in der immer eitel Wonne herrscht.

Ich schminke mich wieder ab und setze mich zum Computer, das Handy daneben. Er meldet sich ganz sicher im Laufe des Abends. Bis 2 bleib ich auf, dann muss ich ins Bett, immerhin rasselt mein Wecker um 7 Uhr morgens. Er liebt es, mich jederzeit erreichen zu können. Manchmal sagt er nichts-ich höre bloss sein schweres Atmen. Er möchte immer bei mir sein. Er kotzt mich an.

Ich prüfe nocheinmal die Delle an meinem Schenkel. Nichts Schlimmes.